Kristina Wilms
Pionierin im Bereich der digitalen Gesundheit

© Annette Koroll

Hast du eine Idee für eine App? Auf diese Nachricht in ihrem Spam-Ordner hat Kristina Wilms geantwortet und damit den Stein für ihre erste App ARYA ins Rollen gebracht, obwohl sie von Programmieren und Informatik gar keine Ahnung hatte.

Die App möchte Menschen mit Depressionen unterstützen, in dem sie es den Patient:innen ermöglicht zu jeder Zeit und an jedem Ort ihre Verhaltensmuster festzuhalten und zu reflektieren – ein zentrales Element während der Verhaltenstherapie zur Behandlung von Depressionen. Kristina Wilms hatte selbst Depressionen und fand es sehr mühsam, in Papierform ihre Therapieerfolge zu dokumentieren und ihre therapeutischen Hausaufgaben zu machen. Zudem wollte sie mit der App auch der Stigmatisierung von psychisch Erkrankten in der Gesellschaft entgegenwirken, authentische Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit war deshalb ein wichtiger Baustein der Unternehmung.

Aktuelles Projekt: Mit einer App einen Beitrag zur digitalen Trauerarbeit leisten

Die App hat sie vor ein paar Jahren verkauft und widmet sich anderen Projekten. „Momentan bin ich selbständig und arbeite auf freiberuflicher Ebene im Bereich der digitalen Innovation, mit dem Fokus auf Gesundheit und mentaler Gesundheit. Konkret mache ich gerade ein Projekt mit den Maltesern. Wir digitalisieren die Hospizarbeit auf eine sehr kreative, neue Art und Weise. Ich übernehme auf der einen Seite die Konzeption des digitalen Produktes, die Leitung und Koordination des Projektes für die Malteser auf der anderen Seite“, erzählt Kristina Wilms. Mit der App möchte sie einen Beitrag zur digitalen Trauerarbeit leisten. Gerade in Corona-Zeiten ein wichtiger Ansatz, wenn Menschen sich nur unter sehr erschwerten Bedingungen begegnen können.
Sie hat weder Informatik noch Psychologie oder Medizin studiert, sondern BWL, Philosophie und Kunst – zwischendurch auch Tanz. Gerade macht sie außerdem einen Master in Leadership in digitaler Innovation.
„In meiner Arbeit ist mein Fokus, Konzepte zu entwickeln, die einerseits ganzheitlich und groß gedacht sind und andererseits sehr nutzerzentriert sind, im Sinne von ‚Ich möchte, dass die Produkte Menschen berühren‘ und gesellschaftliche Relevanz haben. Ich nutze dabei meine Empathiefähigkeit sowie emotionale Intelligenz und übertrage diese Skills in den Bereich der Digitalität. Nach diesen Kriterien wähle ich die Projekte aus, die an mich herangetragen werden.“
Ihr Beispiel zeigt, nicht jede muss zwingend Designerin oder Programmiererin sein, um in diesem Bereich tätig zu sein.

Kristina Wilms hat sich etwas getraut, was in Deutschland immer noch viel zu wenig Frauen tun. Sie ist direkt mit ihrer ersten App Gründerin geworden. Gerade in der Startup-Szene hat sie die Erfahrung gemacht, dass es nicht immer leicht ist, sich als Frau durchzusetzen: „Die Strukturen sind männlich dominiert und aus Männerhand gemacht. Da ist es wichtig, sich selbstbewusst einen Raum schaffen, um zu zeigen, dass es auch anders geht.“ Eine weitere Herausforderung ist, dass viele Investoren meist männlich sind: „Wenn Mann und Frau mit der gleichen Idee kommen, investieren sie lieber in den Mann – das wurde in Studien nachgewiesen. Auch auf struktureller Ebene muss darauf hingewiesen und dies  Leuten klar gemacht werden. Wir alle berauben uns da auch unglaublich viel Potenzial.“

Mentorin bei „Wir stärken Mädchen“

Ihre Erfahrungen möchte Kristina Wilms weitergeben. Deshalb engagiert sie sich im Mentorinnen-Programm von Wir stärken Mädchen: „Die jungen Mädchen und Frauen müssen nicht unbedingt in einen MINT-Beruf gehen. Mir ist wichtig, dass sie sich trauen, sich selbst zu fragen, was macht mich denn eigentlich aus. Was ist denn mein Geschenk, was ich mitbringe, was ich in die Welt geben kann. Dann ist es egal, ob ich Friseurin werde oder Astronautin.“

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