Luisa Buck
Die Spenglerin

Die Spenglerin Luisa Buck bei der Arbeit auf dem Dach.
© Luisa Buck

„Grundsätzlich kann man sagen wir machen alles mit Blech rund ums Haus“, beschreibt Luisa Buck ihren Beruf. Sie schätzt vor allem die Kreativität, die Bewegung und die Vielfältigkeit an ihrer Arbeit.

Luisa Buck, 26 Jahre alt, konnte es kaum erwarten in die Ausbildung zu starten. Nachdem sie ihr Abitur abgebrochen hat, beginnt sie 2012 mit einer Lehre. Verkürzt beendet sie diese im Jahr 2015 und arbeitet seit 2020, nach einem kurzen Schnupperausflug in einen anderen Betrieb, wieder als Spenglerin beziehungsweise Klempnerin in der Firma ihres Vaters, wo sie schon viele Erfahrungen gesammelt hat.

Begeisterung für Mathe kam erst in der Berufsschule

Bereits in der Schule war Luisa gerne sportlich aktiv. Turnunterricht und Klettern gehörten zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Dazu kamen bildende Kunst und kreative Dinge, was sich heute alles in ihrem Beruf vereint: „Grundsätzlich kann man sagen wir machen alles mit Blech rund ums Haus. Dächer mit Metall eindecken ist meine Lieblingsaufgabe“.
Ihre Begeisterung für Mathe hielt sich in Grenzen und kam erst in der Berufsschule auf, als Zahlen plötzlich durch einen Zusammenhang Sinn für sie ergaben. Neben Bewegung schätzt sie in ihrem Beruf die Kreativität und Vielfältigkeit ganz besonders. Außerdem sind die wechselnden Arbeitsplätze, durch die Aufträge an ganz unterschiedlichen Baustellen und die verschiedenen Kolleg:innen, ein großer Pluspunkt. Das einzige Manko sei der Nieselregen, bei dem sie, im Gegensatz zu Schneefall, trotzdem auf das Dach steigen müsse. Das kann ungemütlich werden.

Den Männern zeigen, wo der Hammer hängt

Luisa berichtet, dass nicht alle Klischees von Handwerker:innen stimmen. Trotzdem bleibt es ein Vorurteil, dass es keine bis kaum Frauen auf der Baustelle gibt, und so wird Luisa auch immer wieder angestarrt. Zu einem Problem wird es erst dann, wenn sie, als Gesellin einem 50-Jährigen auf dem Bau im wahrsten Sinne erklären muss, wo „der Hammer hängt“. Hier stößt sie zumeist auf mürrische Männer, die sich kaum etwas von einer jungen Frau sagen lassen wollen.
Themen wie dieses behandelt Luisa in ihrem Podcast „Starke Frauen stärken Frauen“. Hier reflektiert sie das Treiben auf dem Bau und gibt Tipps im Umgang mit Miesepetern. Beispielsweise fragt sie die Hörerinnen, welches Bild sie von ihrer inneren Fachkompetenz haben, um ihnen so zu mehr Selbstwert zu verhelfen. Außerdem nutzt sie Instagram, um sich mit anderen Frauen zum Thema auszutauschen. Unter dem Namen lulu.metalroofer gibt sie auch private Einblicke und spricht über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Ausschließen tut es sich nicht, aber man muss es gut organisieren.“

„Ich versuche sie nicht in rosa zu hüllen, nur weil sie ein Mädchen ist.“

Für Luisa ist es grundsätzlich wichtig, dass Kinder nicht in eine bestimmte Geschlechter-Rolle hineingedrängt werden, sondern gezeigt bekommen, dass man auch als Frau einen „typischen Männerberuf“ machen kann oder andersherum. Sie selbst, war in der Berufswahl orientierungslos. Daher würde sie ihren Kindern gern aufzeigen, was es alles gibt und diese somit auf die Arbeitswelt vorbereiten. Als Negativbeispiel berichtet sie von einer Schulkameradin, die verdutzt reagierte, als Luisa die Schule abbrechen und sich in einem „Männerberuf“ ausbilden lassen wollte. Glücklicherweise hatte sie ihre Freundinnen auf der Seite: „Hauptsache, dir macht es Spaß.“ Luisas Schritt, sich von den Strukturen in der Schule zu emanzipieren, zeugt von großem Mut. So berichtet sie ebenfalls, dass Schülerinnen oftmals nicht Werken, sondern Französisch im Unterricht wählten. „Man lässt sich beeinflussen, davon was die Freundinnen wählen, weil man dazu gehören möchte.“

Probieren, Probieren und Probieren

Ein Rat, den sie mit auf den Weg gibt: Geht zum Girls Day, holt euch Informationen und probiert einfach alles aus: Probieren, Probieren und Probieren! Außerdem rät sie anderen Frauen: „Besser für einen Dachdeckerinnen Betrieb zu arbeiten“. Grundsätzlich müsse man sich darüber klar werden, ob man sich reinreden lassen will oder nicht – Luisa nimmt es mit Humor: „Eine Frau auf der Baustelle, dass sieht man ja nicht so oft. Wie toll. Da kriege ich manchmal sogar schneller einen Kaffee.“