Helene Lange
Pädagogin und Frauenrechtlerin

© Landesarchiv Berlin, B Rep. 235-FS Nr. 71

Der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben war ihrer Meinung nach Bildung. Daher war es ihr Ziel, dass Mädchen genauso gut ausgebildet werden wie Jungen. Sie sollten nicht nur Ehefrauen und Mütter sein. Dafür brauchte es weibliche Vorbilder, zum Beispiel Lehrerinnen.

Helene Lange wuchs als Kaufmannstochter in Oldenburg auf; in einer Zeit, in der Frauen im Schatten ihrer Männer standen. Ihre Eltern starben früh und sie bekommt einen Vormund, der die 16-Jährige in ein protestantisches Pfarramt nach Württemberg schickt. Sie möchte Lehrerin werden, doch ihr Vormund verbietet es ihr. Seine Begründung: „das habe noch nie jemand im Oldenburger Land getan“. Als 23-Jährige ist sie dennoch nach Berlin gezogen, um sich ihrem Traum zu widmen. Nach sechs Monaten legte sie an der Königlichen Augusta-Schule (heute Sophie-Scholl-Gesamtschule) in Schöneberg das Lehrerinnenexamen erfolgreich ab. Mit ihrer Berufswahl wurde sie mit den Missständen in der Lehrerinnenausbildung, sowie mit den ungenügenden Lehrinhalten für Mädchen konfrontiert.

Mädchen sollen befähigt werden, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln

Helene Lange suchte einen Weg, Mädchen eine gleichwertige Ausbildung wie Jungen zukommen zu lassen. Die Mädchen sollten zudem von qualifizierten Frauen ausgebildet werden. Ihre Vorstellung war, dass die Mädchen befähigt werden, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln.
Helene Lange und fünf weitere Frauen reichten 1888 eine Petition an das Preußische Unterrichtsministerium und das Preußische Abgeordnetenhaus ein. In der Begleitschrift („gelbe Broschüre“), die von Helene verfasst wurde, fasst sie ihre Haltung zur Frauenbildung zusammen. Die Broschüre machte Helene Lange bekannt und wurde zum entscheidenden Anstoß zur Reform des Mädchenschulwesens.
Obwohl sie mit der Veröffentlichung keinen politischen Erfolg hatte, gab sie nicht auf. 1889 baute sie „Realkurse“ auf, die die Mädchen befähigen sollten, innerhalb von zwei Jahren eine allgemeine Bildungsgrundlage für gewerbliche und kaufmännische Berufe zu erlangen. Helene Lange gründete zudem den Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein (ADLV) sowie eine eigene Zeitschrift, die für die Entwicklung der Frauenbewegung sehr entscheidend war.
Eine vom Preußischen Kultusministerium einberufene Kommission, zu der auch Helene Lange gehörte, erarbeitete 1906 die Preußische Mädchenschulreform, die zwei Jahre später in Kraft trat.
Als 1908 mit dem Reichsvereinsgesetz Frauen erlaubt wird, politischen Parteien beizutreten, tritt Helene Lange der Freisinnigen Vereinigung Friedrich Naumanns bei, der späteren Deutschen Demokratischen Partei.
Dank ihres Kämpferherzens und ihrem Einsatz für Frauenrechte erhielt sie die Ehrendoktorwürde für Staatswissenschaften der Universität Tübingen, sowie die große preußische Staatsmedaille „Für Verdienste um den Staat“

//DATEN
1848 – 1930

//POSITION
Frauenrechtlerin, Politikerin, Lehrerin

//ERRUNGENSCHAFTEN
Sie kämpfte für gleiche Bildungs- und Berufschancen für Frauen.

//WEITERFÜHRENDE LINKS

Eine Lehrerin in der bürgerlichen Frauenbewegung

Helene Lange, Frauenrechtlerin und Politikerin