Nina Weber
Lieber aufs Dach

© privat

„Als ich ein Praktikum in einem Dachdeckerbetrieb gemacht habe, wusste ich, das ist es. Ich war an der frischen Luft, die Sonne schien und am Ende des Tages habe ich gesehen, was ich gemacht habe. Ob Dacheindeckung, Einlatten oder Blecharbeiten, das hat mir alles Spaß gemacht und ich konnte mir vorstellen, das ein Leben lang zu machen.“

Nach Realschulabschluss und Fachabitur, hat Nina Weber mit ihrer Ausbildung als Versicherungskauffrau begonnen. Obwohl sie diese erfolgreich beendet hat, wusste sie recht schnell, dass es nicht das ist, was sie beruflich machen möchte. „Im Nachhinein habe ich mich wohl erst für die Ausbildung als Versicherungskauffrau entschieden, weil ich was im Büro machen wollte. In meinem Alter hat man ja auch viel mit EDV etc. zu tun und ich dachte, mir würde das Spaß machen.“

Zufällig zum Traumberuf

Da sie schon früher gerne handwerklich gearbeitet hat, wollte sie jedoch lieber in diesen Bereich gehen. So hat sie in der Schulzeit am Girls Day in die Arbeit einer Kfz-Werkstatt reingeschnuppert. Das hat ihr zwar Spaß gemacht, aber sie nicht richtig erfüllt.
Zu ihrem Traumberuf als Dachdeckerin kam sie eher zufällig. „Ich leben in Erden an der Mosel. Bei uns im Dorf gibt es einen Dachdecker, ihn und seine Frau kenne ich schon seit ich klein bin. Unter anderem haben sie auch das Dach der Kirche in meinem Ort neu mit Schiefer eingedeckt. Als ich mit ihr ins Gespräch darüber kam, wie es mit meiner Zukunft aussieht, habe ich ihr erzählt, dass die Arbeit bei der Versicherung nicht richtig zu mir passt. Sie hat mir dann ein Praktikum angeboten und das passte wie der Deckel auf den Topf. Auch das Team hat mich super aufgenommen.“ Im Anschluss kann Nina Weber ihre Ausbildung in dem Betrieb, der sich vor allem auf Schieferarbeiten spezialisiert hat, beginnen.

Vielseitigkeit des Berufs fasziniert

In sozialen Medien hat sie andere Dachdeckerinnen gefunden, die bekannteste ist Sonja Theisen, die auch als Sunny Roofer bekannt ist. „Da ist mir auch nochmal klar geworden, wie vielseitig dieser Beruf ist, nicht nur auf dem Dach. Auch Kran- und Gabelstapler fahren gehört dazu. Das fand ich cool und hab mir gedacht, das will ich auch ausprobieren.“ Mittlerweile hat sie durch ihre Ausbildung auch Kontakt mit anderen angehenden Dachdeckerinnen. Zudem gibt es ein Netzwerk, die Dachdecker Mädelz, das sich dafür stark macht, dass mehr Frauen diesen Beruf ergreifen. Noch hat sie kein Kontakt aufgenommen, kann sich das aber durchaus vorstellen.

Keine Scheu auch mal um Hilfe zu bitten

Auf Vorurteile gegenüber Dachdeckerinnen ist sie bisher selten gestoßen. „Bei uns im Team gibt es das gar nicht. Auf Baustellen kommt es manchmal vor, dass gerade ältere Bauherren fragen, wie ich denn dazu komme. Ob mir das nicht zu schwere Arbeit sei. Aber ich habe mich noch nie richtig angegriffen gefühlt.“

Und wenn ihr doch mal etwas zu schwer ist, hat sie auch keine Scheu um Hilfe zu bitten: „Da bin ich zu meinen Kollegen ganz offen und ehrlich. Die sind auch mir gegenüber noch nie negativ aufgetreten, so nach dem Motto, das musst du jetzt packen.“

//POSITION
Auszubildende zur Dachdeckerin

//WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN ZU FRAUEN IM HANDWERK
↗Zentralverband des Deutschen Handwerks

15 Handwerkerinnen auf Instagram

↗DachdeckerMädelz auf Facebook