Amelia Earhart
Flugpionierin und Feministin

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Nachdem sie zum ersten Mal in einem Flugzeug mitgeflogen war, wusste sie: das will sie auch. Von diesem Zeitpunkt an hatte sie den Traum, selbst Pilotin zu werden und um die Welt zu fliegen.

Auflehnung gegen herrschende Geschlechterideale

Amelia Earhart lehnte sich schon als Kind gegen die herrschenden Geschlechterideale auf. Sie mochte lieber Hosen als Röcke und kletterte auf Bäume oder spielte am Fluss. In der Zeit um 1900 fiel sie damit schon als Kind aus der damals für Mädchen vorgesehenen Rolle.
1920 durfte Amelia Earhart das erste Mal in einem Flugzeug mitfliegen und setzte sich das Ziel selbst zu fliegen. Ein Flugschein kostete damals bis zu 4000 Dollar und ihre Eltern weigerten sich, die Kosten zu übernehmen. Um sich ihren Traum finanzieren zu können, nahm Amelia in den folgenden Jahren insgesamt 28 verschiedene Jobs – von der Telefonistin bis zur Würstchenverkäuferin auf Volksfesten – an.

1932 überflog sie allein den Atlantik

Als sie als erste Passagierin an einem Nonstop-Flug über den Atlantik teilnahm, erlangte sie erstmals große Bekanntheit. Nach 20 Stunden und 40 Minuten landete das Flugzeug am 18. Juni 1928 in Wales, doch es wurde nicht der Pilot, sondern die erste Passagierin eines Atlantikflugs gefeiert. Ihren eigentlichen Traum erfüllte sich Amelia Earhart 1932 und überquerte allein mit einer modifizierten Lockheed Vega 5B den Atlantik. Dies reichte ihr jedoch nicht und sie setzte sich das Ziel, den Pazifik im Alleinflug zu überqueren. 1935 folgten Flüge von Honolulu nach Oakland in Kalifornien und von Mexiko-Stadt nach Newark (New Jersey)
Immer wieder betonte sie, dass es ihr mit ihren unerschrockenen Rekordflügen auch darum ging, zu beweisen, dass Frauen zu technischen Höchstleistungen in der Lage sind.

Club der Ninety Nines“

Amelia Earhart trat dem Pilotinnenclub „Ninety-Nines” bei, dem nur aktive Pilotinnen mit Flugschein beitreten konnten, wenig später engagierte sie sich auch im Wettbewerbskomitee des Clubs. Damals waren 99 Pilotinnen aus den gesamten Vereinigten Staaten vertreten.
Zu dieser Zeit wurden Frauen noch von Wettbewerben ausgeschlossen, bei denen Piloten ihre Flugkünste vorführten und Flugzeugbauer ihre neusten Modelle vorstellten. Zudem durften Frauen keine Test- oder Verkehrspilotin werden, da Mediziner versicherten, die nervliche Instabilität von Frauen mache sie für den Beruf ungeeignet und die Menstruation sei eine typische Absturzursache. Die „Ninety-Nines“ veröffentlichen Artikel und sprachen im Radio, um ihren Anspruch auf Gleichbehandlung zu vertreten. Sie erkämpften sich schrittweise Zulassung zu allen Veranstaltungen und wollten Frauen fürs Fliegen begeistern. Erst in den 70er Jahren gab es erste Pilotinnen bei Linienfluggesellschaften.

Umrundung des Äquators scheiterte

Am 21. Mai 1937 startete sie mit einer zweimotorigen Lockheed Modell 10 Electra zur Umrundung des Äquators. Bis Ende Juni hatten sie und ihr Funker und Navigator Fred Noonan schon drei Viertel der Strecke zurückgelegt, doch am Ziel kamen die beiden nie an. Die US-Regierung startete umgehend eine aufwendige Suchaktion an der 64 Flugzeuge und acht Kriegsschiffe beteiligt waren – ohne Erfolg. Am 19. Juli 1937 wurden Earhart und Noonan für tot erklärt.
Die „Ninety-Nines“ gibt es heute immer noch. Dem Club gehören über 5000 Pilotinnen aus der ganzen Welt an und auf der Mitgliederliste aus den vergangenen 90 Jahren kamen viele herausragende Fliegerinnen hervor.

//DATEN
1897-1937

//POSITION
Frauenrechtlerin, Politikerin, Lehrerin

//ERRUNGENSCHAFTEN
Sie kämpfte für ihren Traum vom Fliegen und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern

//WEITERFÜHRENDE LINKS

„Frauen aus dem Käfig ihres Geschlechts herausholen“ (welt.de)

Amelia Earhart: Geschichte einer Pilotin (GEOlino)

Die Fliegerinnen von „Ninety-Nines“ (Deutschlandfunk)

Literaturtipp: María Isabel Sánchez Vegara, Amelia Earhart, Little People, Big Dreams.