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Früh erlernte Geschlechterstereotypen

Bereits mit sechs Jahren entwickeln Kinder Geschlechterstereotypen: Herausragende Leistungen trauen sie eher Männern als Frauen zu. Zu diesem Ergebnis kamen die
Psychologin Lin Bian und ihre Kollegi:innen von den Universitäten in Illinois, New York und Princeton, die zu Geschlechterstereotypen geforscht haben.

In der Studie erzählten sie 96 Mädchen und Jungen im Alter von fünf, sechs und sieben Jahren eine Geschichte von einem „sehr, sehr schlauen Menschen“. Dazu zeigten sie den Kindern Fotos von Frauen und Männern, die allesamt gut gekleidet und attraktiv waren. Auf die Frage, welche Person sie für schlau halten, nannten die fünfjährigen Kinder ihr eigenes Geschlecht

Wie stark beeinflusst das Selbstkonzept unser Verhalten?

Allerdings veränderte sich bei den Mädchen die Einschätzung eines schlauen Menschens mit ihrem Alter: Die sechs- bis siebenjährigen Mädchen hielten den Mann für einen schlauen Menschen. Dieses Ergebnis bestätigte sich in weiteren Untersuchungen. In einer dritten Erhebung sollte der Zusammenhang zwischen Geschlechterstereotypen und Intelligenz erneut überprüft werden. Den Mädchen und Jungen wurden zwei Spiele vorgestellt. Das eine Spiel wurde mit der Bemerkung vorgestellt, dass es ein Spiel für „sehr, sehr schlaue Kinder“ sei und das zweite Spiel eins für „Kinder, die sich wirklich sehr anstrengen“ sei. Beide Spiele interessierte alle Kinder, das erste Spiel trauten sich jedoch nur auffällig wenige Mädchen zu. Der Zusammenhang hinsichtlich der Geschlechterstereotypen ließ sich hier erneut bestätigen.
In einer vierten Untersuchung mit fünfjährigen Kindern konnte dieser Zusammenhang nicht festgestellt werden.

Da die Idee der Überlegenheit hinsichtlich der Intelligenz der Männer sich mit sechs Jahren zu entwickeln scheint, liegt es nahe, sie mit dem Schulbeginn in Verbindung zu bringen. Vor allem in der Schule erbringen die Mädchen sehr gute Leistungen und trauen sich und anderen Schülerinnen diese auch zu – sogar mehr als die Jungen im Vergleich dazu. Dennoch bringen die Mädchen gute Noten nicht mit herausragender Intelligenz in Verbindung.

Einfluss von Genderstereotype auf die Geschlechter- und Selbsteinschätzung

In diesem Zusammenhang erklärt eine weitere Untersuchung die weitreichende Rolle von Geschlechterstereotypen: Die Untersuchung zeigt, dass schwächere Leistungen in Mathematik bei Jungen auf eine mangelnde Anstrengung zurückgeführt werden. Bei Mädchen werden die schwächeren Leistungen mit einer mangelnden Begabung erklärt. Solche Muster können das Selbstkonzept der Mädchen negativ beeinflussen.

Früh haben Genderstereotype einen Einfluss auf die Geschlechter- und Selbsteinschätzung von Mädchen und sind besonders für die Förderung des Selbstkonzeptes von Mädchen entscheidend.