Finanzielle Bildung – wie Mädchen selbstbestimmt ihre Zukunft planen und gestalten können

© Frauen100/Franziska Krug

Salongespräch bei FRAUEN100 mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil am 23.3.26

„Wenn ihr an Geld denkt, welches Wort fällt euch spontan ein?“, so startete Moderatorin Janin Ullman die Gesprächsrunde des 1. Salons der Initiative FRAUEN100 zum Thema „Finanzielle Bildung und wirtschaftliche Selbstbestimmung von Frauen“ Ende März in Berlin.

An einem runden Tisch hatten sich vier junge Frauen aus den DKJS-Programmen Wir stärken Mädchen und VoiceUp! und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil versammelt, um sie herum ca. 50 Gäst:innen, vorrangig Journalistinnen und Gründerinnen des FRAUEN100-Netzwerks.

Während Lars Klingbeil auf die Einstiegsfrage mit „Sicherheit“ antwortete, kam von einer der jungen Frauen „Unsicherheit“. Diese ungleiche Sicht auf Geld steht im Zusammenhang mit der Chancenungleichheit von Frauen gegenüber Männern auf dem Arbeitsmarkt. Denn obwohl die Erwerbstätigkeitsquote von Frauen steigt, arbeiten viele in Teilzeit und leisten parallel noch unbezahlte Sorgearbeit. Daher liegt der Gender Pay Gap bei 16 Prozent, der Life Time Earning Gap bei 49,8 Prozent und Frauen sind im Alter stärker von finanziellen Risiken betroffen. Chancenungleichheit zeigt sich aber schon bei der finanziellen Bildung, denn oft haben Frauen geringere Zugänge zu Finanzwissen und schätzen ihre Kompetenzen niedriger ein.

Das entspricht auch den im Salon geschilderten Erfahrungen der vier jungen Frauen in Schule, Praktikum, FSJ, Studium und Alltag sowie ihrer Einschätzung, warum Finanzbildung notwendig ist: Sie ist entscheidend dafür, wie selbstbestimmt junge Frauen später ihr Leben gestalten können – von Alltagsentscheidungen über berufliche Weichenstellungen bis hin zur Altersvorsorge.

Daraus abgeleitet haben die vier auch konkrete Forderungen an Lars Klingbeil gerichtet: Finanzielle Bildung sollte keine individuelle oder Aufgabe des Elternhauses sein, da dies ein hohes Maß an Eigenverantwortung bei jungen Menschen und gleiche Ressourcen in allen Haushalten voraussetzt – das geht an der Realität vorbei! Um alle jungen Menschen und dabei v.a. die Mädchen zu erreichen, muss Finanzbildung in schulischen Lehrplänen verankert sein.

Dieser frühzeitige Zugang zu Finanzwissen sollte niedrigschwellig, praxisnah, lebensrelevant und bestärkend gestaltet sein. Und es sollte darum gehen, Mädchen zu vermitteln, welche finanziellen Entscheidungen im erwachsenen Alltag wichtig sein werden, wie Wirtschaft und digitale Finanzwelt funktionieren und wie sie souverän und unabhängig handeln können.

Wie hoch der Bedarf an Finanzbildung bei jungen Frauen aktuell ist und zugleich ein gutes Beispiel dafür, dass schulische Angebote bis dato noch vom Einsatz einzelner Lehrkräfte abhängen, ist das Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Berlin-Prenzlauer Berg. Dort gibt es im Rahmen der Berufsorientierung in der 11. Klasse ein freiwilliges Angebot zu Finanzen und Arbeitswelt, das dieses Jahr so gefragt ist, dass drei Kurse parallel stattfinden. Erfreulicherweise waren die engagierten Lehrerinnen der Schule auch beim Salon und haben nach der Runde mit Lars Klingbeil noch viele Unterhaltungen bereichert.

Danke an Vera, Lotta, Leonie & Anastasia – und Gratulation, dass euch Lars Klingbeil eingeladen hat, das Gespräch mit seinem Team im Bundesfinanzministerium fortzuführen!

© Frauen100/Franziska Krug
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